Carl Gottfried Graf von Bose 1654-1731



Carl Gottfried Graf von Bose 1654-1731


Inventar Nr.: AZ 203
Bezeichnung: Carl Gottfried Graf von Bose 1654-1731
Künstler / Hersteller: unbekannt, Maler/in
Dargestellt: Carl Gottfried von Bose (1654 - 1731), Dargestellt
Datierung: um 1700
Objektgruppe: Gemälde
Geogr. Bezug:
Material / Technik: Kupfer
Maße: 45,6 x 35,4 cm oval, gewölbt (Bildmaß)
Leihgeber: Stadt Kassel, Städtische Kunstsammlungen
Beschriftungen: Handschrift: verso der geheime Rath Graf Bose auf gamig(?) und Netsko


Katalogtext:
Gemalte Porträts überliefern uns scheinbar die visuelle Erscheinung eines Menschen. In der Regel auf plane Bildträger gemalt, beruht die räumliche Darstellung der Personen jedoch auf einer malerischen Illusion. Als Materialien dienten meistens Holztafeln oder Leinwand. Etwas seltener wurde Metall oder Stein als Bildgrund gewählt. Gemälde auf Kupfer erfreuten sich jedoch seit dem 16. Jahrhundert zunehmender Beliebtheit, da sie einfach zu transportieren waren. Insbesondere von reisenden Künstlern konnten die Kupferplatten bereits präpariert mitgenommen werden und waren so sofort einsetzbar. Ein weiterer Vorteil war die wesentlich höhere farbliche Brillanz der Werke, die zudem eine längere Haltbarkeit im Vergleich zum Bildträger Leinwand oder Holz versprach.

Um 1700 kamen ovale Porträts auf bombiertem Kupfer in Mode. Diese Bildnisse erzeugten durch ihre gewölbte Form eine erhöhte Plastizität des Dargestellten und verliehen dem Bildnis im Verbund mit einer feinmalerisch exquisiten Ausführung eine besondere Präsenz. Die Illusion, einer tatsächlichen Person gegenüberzustehen, konnte sich kurzfristig einstellen. Im Kontext der Präsentation im fürstlichen Interieur konnten gewölbte Bilder allein schon aufgrund ihrer Materialität die Aufmerksamkeit der Betrachter auf sich ziehen. Schließlich mag man in dem Drang der Porträtmalerei, in den Betrachterraum vorzudringen, einen Beitrag zum Paragone mit der Bildhauerei erkennen.

Ein herausragender Künstler in dem Gebiet bombierter Porträts war der spätere Gothaer Hofmaler Christian Schilbach. Die hohe malerische Qualität des Kasseler Porträts, das bislang kaum Beachtung fand, legt eine Autorschaft Schilbachs nahe. Bei dem Dargestellten handelt es sich um den sächsischen Kammerherrn und späteren Geheimen Rat Carl Gottfried Graf von Bose. Er ist mit dem Ordenskreuz des Johanniterordens dargestellt, in den er 1693 aufgenommen wurde. Damit ergibt sich ein terminus post quem für die Entstehung des Porträts. Schilbach ist erst ab 1696 als Hofmaler in Dresden erwähnt. Von 1706 bis 1707 war er in Wien tätig, seit 1709 wirkte er dann in Gotha als Hofmaler. Damit ergibt sich – trifft die Zuschreibung an den Künstler zu – eine zeitliche Ansetzung der Entstehung des Kasseler Porträts zwischen 1696 und 1706. Dies korrespondiert auch mit dem anzunehmenden Alter des Dargestellten, der etwa 50 Jahre alt sein könnte, sodass als Entstehungszeit des Bildes um 1700 bis 1705 anzunehmen ist.
(J. Lange, 2015)



Literatur:
  • Lange, Justus; Carrasco, Julia: Kunst und Illusion. Das Spiel mit dem Betrachter. Petersberg 2016, S. 184, Kat.Nr. 65.


Letzte Aktualisierung: 09.11.2021


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